Herr K., Lehrer

Auf dem Weg zur Arbeit hatte Herr K. einen schweren Autounfall. Während die körperlichen Verletzungen ganz gut heilten, fiel ihm auf, dass sich sein Wesen irgendwie verändert hatte. Er war ängstlicher und schreckhafter geworden, manchmal lief der Unfall wie aus heiterem Himmel wie ein Film vor seinem inneren Auge ab, was ihn jedes Mal sehr aufwühlte. Seine Frau erzählte ihm, dass er nachts unruhig schlafe, teilweise auch wimmere oder schreie und um sich schlage. Herr K. fühlte sich komplett überfordert. Ihm war alles zu viel, er wurde immer reizbarer und er zog sich von seinen Freunden zurück, auch wenn er sie eigentlich doch sehr mochte, und verstand sich selbst nicht mehr. Aber er wollte alleine damit klarkommen und dachte, dass ja die Zeit alle Wunden heilt und er sicher bald wieder ganz der Alte sein würde…

…aber er brauchte sehr viel Geduld. Seine körperlichen Verletzungsfolgen schränkten ihn immer noch ein und machten das Gehen mühsam. Die vielen noch notwendigen ärztlichen und physiotherapeutischen Termine strengten Herrn K. zusätzlich an und nervten ihn mit der Zeit. Auto zu fahren hatte er seit dem Unfall angstvoll vermieden, das konnte er ja noch verstehen. Aber mittlerweile fühlte er sich sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln ziemlich unwohl, was er früher nie gehabt hatte! Es fühlte sich für ihn an, als ob die Angst sich immer mehr Raum nehmen würde. So wurde sein Lebensradius immer kleiner und die Situation zu Hause immer angespannter. Schließlich konnte seine Frau ihn überreden, mein Online-Angebot mal auszuprobieren, das ihm die Berufsgenossenschaft vermittelt hatte.

Herrn K. tat gut, dass ich ihm zunächst einmal erklären konnte, was grade «eigentlich mit ihm los war», und welchen «guten Sinn» die psychischen Symptome machten. Schon die Erklärung entlastete ihn, und er konnte etwas aufatmen. Wir entwickelten für ihn passende Selbstberuhigungsstrategien und er merkte, dass sie durch eigenes Üben schnell wirksam wurden. Er konnte seiner Frau und den Freunden erklären, was ihm aktuell gut tat und was ihm erstmal noch zu viel war. Wir entwickelten Strategien, wie er in seinem Tempo seinen Radius immer weiter vergrößern konnte. Mittlerweile fährt Herr K. wieder Auto, wenngleich etwas vorsichtiger und aufmerksamer als vorher. Der Unfall ist zwar nicht vergessen, hat aber seine emotionale Bedeutung weitgehend verloren. Sein Leben gehört nun wieder ihm selbst.

Ähnliche Beiträge