Frau E., Managerin
Frau E. ist eine erfolgreiche Managerin in einem global agierenden Unternehmen. Sie ist stolz auf ihre Position, mag ihre Arbeit und erlebt sich beruflich als sehr kompetent.
Sie arbeitete oft zu viel und zu lange, wusste aber, dass sie diesbezüglich, mit Blick auf ihre Gesundheit, aufpassen musste; das hatte sie schon sicher im Blick. Trotzdem fühlte sie sich mit der Zeit unzufrieden, ausgelaugt am Feierabend und einsam – selbst wenn sie unter Menschen war. Irgendetwas stimmte nicht… Die Idee, sich in einer Therapie Unterstützung zu holen, hatte sie erst verworfen, weil sie durch ihren Beruf keinen regelmäßigen Termin einhalten konnte. So war sie sehr froh, auf mein Online-Angebot zu stoßen.
Wir fanden heraus, dass eine wichtige frühe Prägung in Frau E.s Kindheit «Liebe für Leistung» gewesen war: Die Eltern waren in ihrer Fähigkeit begrenzt, ihre Tochter wirklich ganz ohne Bedingungen zu lieben, einfach nur weil sie da war. Sie waren aber immer stolz auf ihre guten Noten und schulischen Erfolge gewesen: dafür hatte Frau E. als Kind elterliche Anerkennung und Zuwendung bekommen, was sich natürlich sehr gut angefühlt hatte. So lernte sie schon als kleines Mädchen, immer mehr in diese Richtung zu leben: fleißig und erfolgreich zu sein, um die Zuwendung der Eltern zu erlangen und zu sichern. Und so baute Frau E., wie viele andere Menschen auch, von Kindheit an eine «Kompensation» auf, entfernte sich aber gleichzeitig von einem Teil ihrer eigentlichen Bedürfnisse immer weiter. Sie hatte gelernt, zum Beispiel auf Geselligkeit, Körperkontakt, Verspieltheit und Zeit zum Rumbummeln zu verzichten. Auch ihre früheren Hobbies hatte sie weniger mit Freude am Tun, als vielmehr mit hohem Leistungsanspruch und Ehrgeiz betrieben, bis sie ihr am Ende gar keinen Spaß mehr machten und sie diese für den Beruf aufgab.
In einem behutsamen Therapieprozess lernte Frau E., diese «tief vergrabenen» Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und als gültig und respektabel anzuerkennen. Es war bei ihrem Lebensstil nicht einfach, mehr und mehr dieser Bedürfnisse in ihren Alltag zu integrieren, aber wir fanden viele kreative kleine Möglichkeiten und «zweitbeste Lösungen», sodass es Frau E. heute viel besser geht und sie ein erfüllteres und trotzdem beruflich erfolgreiches Leben lebt.

